Blick über die Tische nach vorn, auf der Leinwand ein Quiz mit der Frage Drei Fälle: Welcher Begriff passt?

Gefunden werden, in Google und in ChatGPT: Was kleine Betriebe für ihre Sichtbarkeit tun können

Eine schöne Webseite wird nicht automatisch gefunden. Darum ging es am 30. September im InnovationPort, wieder mit Simon Glowik von der NordFlux UG. Diesmal kam er mit seiner zweiten Marke Sichtbarkeit Online, die sich um SEO und KI‑Suche kümmert. Die Frage des Vormittags: Wie wird ein kleiner Betrieb bei Google gefunden, und wann nennt ChatGPT ihn, wenn jemand nach einem Elektriker in Wismar fragt?

16 Teilnehmende waren da, mehr als erwartet. Den Anfang machte eine Vorstellungsrunde mit der Frage, wie Kunden heute zu einem kommen. Zwischendurch wurde immer wieder per Handy abgestimmt, mit Quiz, Wortwolke und offenen Fragen.

Sechs Begriffe, die in jedem Angebot stehen

SEO, Local SEO, GEO, SEA, SEM, Social Media: Wer ein Angebot einer Agentur liest, stolpert über diese Abkürzungen. SEO heißt, die eigene Seite so zu bauen, dass Google sie findet und versteht. Local SEO ist die Sichtbarkeit vor Ort, mit Unternehmensprofil, Karte und Bewertungen. GEO ist neu und meint, von KI‑Antworten genannt und zitiert zu werden, in ChatGPT, Perplexity oder der KI‑Übersicht bei Google. SEA sind bezahlte Anzeigen in der Suche, abgerechnet je Klick. SEM fasst SEO und SEA zusammen.

Simon hat das auf einen Merksatz gebracht: Anzeigen sind gemietet, sie wirken sofort und hören auf, sobald das Budget aufhört. SEO, Local SEO und GEO sind gebaut. Sie brauchen Monate und bleiben, wenn die Arbeit einmal gemacht ist. Beides hat seinen Platz.

Wer nur mietet, fängt jeden Monat bei null an.

Folie Mieten oder bauen mit den Spalten Gemietet: SEA und Social Ads und Gebaut: SEO, Local SEO, GEO
Aus der Präsentation: gemietete und gebaute Sichtbarkeit.

Warum die Seite keine Anfragen bringt

Für eine Webseite, die steht und trotzdem keine Anfragen bringt, gibt es drei typische Ursachen, und für jede einen einfachen Test. Google kennt die Seite nicht: Den eigenen Firmennamen googeln. Niemand sucht so: Auf der Seite stehen Fachbegriffe, Kunden tippen Alltagswörter, also „Heizung tropft“ statt „Sanitärinstallation“. Gefunden, aber nicht geklickt: Der Eintrag in den Suchergebnissen sagt nichts, würden Sie selbst draufklicken?

Was hilft, kostet vor allem Zeit und kaum Geld. Oben auf der Startseite steht in fünf Sekunden, was Sie machen, wo und für wen. Also „Elektriker in Wismar“, nicht „Willkommen auf unserer Seite“. Telefon und Anfrage‑Knopf gehören ganz nach oben, auf dem Handy mit einem Tipp erreichbar. Jede Leistung bekommt eine eigene Seite, in Kundensprache, mit Ablauf, Preisrahmen, zwei, drei Beispielen aus der Region und den Fragen, die am Telefon immer wieder kommen. Name, Adresse und Telefon stehen überall gleich geschrieben, auf der Webseite, im Impressum, im Unternehmensprofil und in Verzeichnissen.

Simon Glowik spricht am Stehtisch, vor ihm ein Laptop und ein Wasserglas
Simon Glowik betreibt neben NordFlux die Marke Sichtbarkeit Online für SEO und KI‑Suche.

Für viele im Raum war das die eigentliche Erkenntnis des Vormittags:

„Viele Teilnehmenden haben festgestellt, dass gutes SEO und GEO ein Handwerk ist. Es gibt sehr viele Stellschrauben und einige davon sind sehr technisch. Eine schöne Webseite wird nicht automatisch gefunden.“

Simon Glowik

Woran man ein schlechtes SEO‑Angebot erkennt

Anrufe und Mails mit SEO‑Angeboten kennt jeder, der einen Betrieb mit Webseite hat. Wie viele es pro Woche sind und ob sich bezahltes SEO schon einmal gelohnt hat, wurde im Raum live abgefragt. Vier Warnsignale: Es wird Platz eins versprochen, was niemand zusagen kann, weil Google die Reihenfolge bestimmt. Jemand ruft aus dem Nichts an und sagt, die Seite habe viele Fehler, ohne sie wirklich angesehen zu haben. Der Vertrag läuft zwölf oder 24 Monate, und keiner sagt, was im ersten Monat passiert. Oder es werden Linkpakete angeboten, fünfzig Links für wenig Geld, mit kurzem Effekt und langem Schaden.

Dagegen helfen fünf Fragen, die man jedem Anbieter stellen kann:

Folie Fünf Fragen an jeden Anbieter: erster Monat, Erfolgsmessung, Vertragslaufzeit, Eigentum an Seite und Zugängen, Referenzen aus der Region
Fünf Fragen an jeden SEO‑Anbieter, mit den Antworten, die man hören möchte.

Live‑Check und eigene Seite

Nach der Pause wurde es praktisch. Erst eine Seite aus dem Raum, dann die eigene, mit dem kostenlosen Check auf online-sichtbar-mv.de. Bewertet wird nach einer Ampel: Sind alle wichtigen Seiten bei Google zu finden? Sagt der Eintrag Leistung, Ort und Nutzen? Gibt es klare Überschriften? Lädt die Seite auf dem Handy in unter 2,5 Sekunden? Ist das Unternehmensprofil bei Google Maps und Bing Places vollständig und gepflegt?

Dazu kamen die kostenlosen Werkzeuge von Google: die Search Console, die zeigt, wonach eine Seite gefunden und wie oft sie geklickt wurde, PageSpeed Insights für die Ladezeit und das Google‑Unternehmensprofil. Die Bing Webmaster Tools übernehmen die Einstellungen aus der Search Console per Import, das dauert fünf Minuten.

Teilnehmende arbeiten an Laptops am Tisch vor der Fensterfront
In der zweiten Hälfte hat jeder die eigene Seite geprüft.

Bewertungen und KI‑Suche

Bewertungen zählen doppelt. Anzahl und Bewertung fließen nach Googles eigenen Angaben direkt in die lokale Suche ein. KI‑Systeme lesen sie als Beleg, dass ein Unternehmen existiert und liefert. Der Plan ist einfach: nach jedem Auftrag fragen, mit direktem Link, innerhalb von zwei Tagen antworten, auch auf schlechte Bewertungen, und nie kaufen oder fälschen.

ChatGPT und Perplexity suchen selbst im Netz und nehmen, was sich zitieren lässt: klare Absätze, die eine Frage in zwei Sätzen beantworten. Sie gleichen ab, ob die Webseite dasselbe sagt wie das Unternehmensprofil, die Kammer und das Branchenverzeichnis, und sie bevorzugen, wer anderswo erwähnt wird. Konkret heißt das: ein Abschnitt mit zehn echten Kundenfragen auf der Leistungsseite, eine Über‑uns‑Seite mit Fakten statt Floskeln, Einträge bei Kammer, Innung und in der lokalen Presse mit überall derselben Adresse. Und eine Frage an den Webdesigner, ob KI‑Suchmaschinen die Seite überhaupt lesen dürfen. Einmal im Monat lohnt es sich, ChatGPT selbst zu fragen, wer in Wismar die eigene Leistung anbietet, und das Ergebnis zu notieren.

Geduld gehört dazu. Technische Fehler sind nach ein, zwei Wochen behoben und neu eingelesen. Bis sich Platzierungen und Anfragen bewegen, dauert es drei bis sechs Monate.

Folie Deine Liste: was zuerst, was später, was gar nicht, als Tabelle mit drei Spalten
Zum Schluss die eigene Prioritätenliste: was diese Woche, was diesen Monat, was gar nicht.

Fünf erste Schritte

Für alle, die nach dem Lesen direkt anfangen wollen. Nichts davon kostet Geld, zusammen ist es etwa ein Nachmittag:

  1. Sich selbst googeln. Suchen Sie nach Ihrem Firmennamen und geben Sie zusätzlich site:ihre-adresse.de ein. So sehen Sie, welche Seiten Google kennt und wie Ihr Eintrag aussieht. Würden Sie selbst draufklicken?
  2. Den kostenlosen Check laufen lassen. Auf online-sichtbar-mv.de/erstanalyse die eigene Adresse eingeben und alles notieren, was rot ist. Diese Punkte kommen zuerst.
  3. Das Google‑Unternehmensprofil vervollständigen. Auf business.google.com Leistungen, Öffnungszeiten, Telefon, Webseite und fünf eigene Fotos eintragen. Name und Adresse genau so schreiben wie im Impressum.
  4. Die Search Console einrichten. Auf search.google.com/search-console die eigene Seite bestätigen und unter „Sitemaps“ die Sitemap einreichen. Danach in den Bing Webmaster Tools auf „Importieren“ klicken, das dauert fünf Minuten.
  5. Die KI fragen. Fragen Sie ChatGPT und Perplexity, wer in Ihrer Stadt Ihre Leistung anbietet, und notieren Sie das Ergebnis. Wiederholen Sie das einmal im Monat, dann sehen Sie, ob sich etwas bewegt.
Simon Glowik am Stehtisch hebt den Daumen, im Hintergrund die Leinwand mit dem Menti-Code
Zum Abschluss hat jeder für sich festgelegt, was diese Woche als Erstes drankommt.

„Mit 16 Teilnehmenden habe ich nicht gerechnet. Da zeigt sich, dass das Thema digitale Sichtbarkeit weiterhin ein riesiges Thema ist. Besonders angenehm fand ich, dass alle Teilnehmenden proaktiv ihre Fragen und Nöte geäußert haben.“

Simon Glowik

Wer prüfen möchte, wie gut die eigene Webseite oder der Onlineshop abschneidet, kann den Schnellcheck auf online-sichtbar-mv.de selbst durchführen.

Die Folien zum Nachlesen

Simon Glowik hat seine Präsentation zur Verfügung gestellt. Alle 48 Folien, mit Begriffen, Best Practices, Anleitungen für Search Console, Bing und Unternehmensprofil und der Prioritätenliste:

Wo Sie weitermachen können

Alle Angebote sind kostenfrei, der InnovationPort ist ein ESF‑Projekt.

  • KI‑Konferenz Wismar am 13. Oktober, 10 bis 17 Uhr. Der große Termin des Jahres, wenn Sie wissen wollen, was KI für Ihren Betrieb bedeutet.
  • Techniktag am 28. Oktober, 9 bis 21 Uhr bei uns in Wismar. Bringen Sie Ihre Webseite und Ihr Gerät mit und arbeiten Sie die Punkte aus Ihrer Liste mit Unterstützung ab.

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