Zwei Termine, dasselbe Thema: Wie kommt man an ein ordentliches Layout, wenn man kein Designer ist und keinen bezahlen will? Erst beim Snack IT des DIZ Schwerin, dann bei Digital. Direkt. Beide Male haben wir Claude Design live aufgemacht und einfach losgelegt, ohne vorbereitete Folien.
Der Anlass ist banal und deshalb so verbreitet. Sie haben eine Präsentation zu halten. Der Inhalt steht längst, Sie wissen, was Sie sagen wollen. Trotzdem sitzen Sie zwei Stunden da und schieben Kästen hin und her, suchen ein Bild, ändern eine Schriftgröße, ärgern sich über einen Zeilenumbruch. Diese zwei Stunden sind der Teil, den niemand vermisst.
Es gibt zwei Sätze, an denen sich gut erkennen lässt, ob eine Aufgabe an eine KI gehen kann. Der eine ist: Das könnte auch ein Praktikant machen. Der andere: Dafür habe ich nicht studiert. Wenn einer davon zutrifft, lohnt der Versuch.
Was Sie brauchen
Ein bezahltes Claude-Abo, das günstigste liegt bei rund 20 Euro im Monat. Damit erscheint in der Oberfläche unten links der Punkt „Design“. Ohne Abo ist er nicht da, das ist die ganze Hürde. Es gibt Claude im Browser unter claude.ai und als Desktop-App. Die App ist dasselbe ohne Adresszeile. Beides ist Arbeit am Rechner, nicht am Handy.
Wichtig gleich zu Anfang, weil es sonst zu Enttäuschungen führt: Claude ist keine Bild-KI. Sie bekommen kein generiertes Foto und keine gezeichnete Illustration. Layout kann Claude, also Aufteilung, Farbverläufe, Rahmen, Schatten, Diagramme. Motive müssen Sie mitbringen oder woanders erzeugen lassen.
Der Umweg, der sich rechnet
Der Reflex ist, sofort die Präsentation zu verlangen. Das funktioniert auch, und das Ergebnis sieht dann aus wie irgendeine Präsentation. Zwei Schritte davor lohnen sich, weil Sie sie nur einmal gehen.
Der erste ist das Designsystem. Das ist Ihre Markenidentität in einer Form, mit der Claude arbeiten kann: Farben mit Namen, Schriften, Abstände, Schriftgrößen, wie Titel aussehen, wie Bilder eingesetzt werden. Auch das, was Sie nicht wollen. In unserem System steht zum Beispiel, dass keine Emojis vorkommen. Am ehesten ist es ein Nachschlagewerk, ein Wiki für Ihre Marke. Alles Weitere entsteht daraus, und deshalb sieht auch alles Weitere zusammengehörig aus.
Angelegt wird es über „Create Design System“. Sie bekommen darauf zunächst keinen Entwurf, sondern eine Liste von Rückfragen: Logodateien, Markenfarben als Hex-Werte, Schriftarten, welche Vorlagen Sie brauchen, ob Sie Ihre Leser siezen oder duzen. Je mehr Sie vorher hineingeben, desto weniger wird gefragt. Im Termin haben wir unsere CI-Mappe als PDF hochgeladen, daraus zieht Claude Farben und Logos selbst heraus.

Sie können aber auch ohne alles anfangen. Schreiben Sie hinein, was Sie schon wissen, auch Halbfertiges. Wer noch kein Logo hat, sagt das einfach. Claude setzt dann einen Platzhalter und gibt Ihnen gleich einen Prompt mit, mit dem Sie das Logo bei einem Bildgenerator erzeugen lassen können.
Ein Designsystem wird nie fertig. Es fehlt immer etwas, an das Sie heute nicht denken. Drei Tage Arbeit, dann bewusst Schluss: Der Rest kommt beim Benutzen.
Der zweite Schritt ist ein Foliensatz als Vorlage. Nicht eine Präsentation, sondern ein Muster: so sieht die Titelfolie aus, so die Agenda, so ein Kapitelwechsel, so eine Folie mit einem Bild, so eine mit zweien, so ein Prozess. Das hat einen Tag gekostet. Seitdem wurde keine Folie mehr von Hand gebaut.

Und dann die Präsentation
Im Termin haben wir das fertige Designsystem ausgewählt, „Slides“ angeklickt und geschrieben, worum es geht. Den Link zur Veranstaltung einfach mitgegeben, die Seite wurde gelesen und ausgewertet.
Was dann passiert, ist der nützlichste Teil: Claude fragt von selbst zurück. Welche Rolle sollen die Folien im Termin spielen, kurzer Auftakt oder durchgehender Begleiter? Wie viele Folien? Wie soll der Abschluss aussehen? Man kann das abkürzen und entscheiden lassen, man kann aber auch mehr Fragen anfordern. Es ist wie beim Arzt: Wer nur sagt, das Knie tut weh, bekommt Ibuprofen. Wer alles erzählt, bekommt eine Diagnose.
Verlangt waren zehn bis zwölf Folien, gekommen sind elf. Am Ende klappt in der Oberfläche ein kleines Laptop-Symbol auf. Das heißt, es wird nichts mehr gebaut, sondern geprüft: Steht Text über Text, ist irgendwo eine Farbe unlesbar, läuft ein Bild aus dem Rahmen.

Ändern, ohne alles neu zu machen
Unter „Interact“ gibt es zwei Wege. „Edit“ heißt, Sie greifen selbst hinein und tippen, das lässt sich mit Strg+Z zurücknehmen. „Comment“ heißt, Sie markieren eine Stelle und schreiben dazu, was Sie stört. Den Kommentar können Sie für sich behalten oder direkt an Claude schicken.
Der beste Griff steckt im Kommentar. Wenn Ihnen ein Fehler auffällt, der sich wiederholt, beheben Sie ihn nicht einzeln, sondern einmal für alles. In unserem Fall waren es lange Gedankenstriche, die in Texten nichts zu suchen haben, weil man ihnen die maschinelle Herkunft ansieht. Ein Kommentar an einer Stelle, dazu der Satz, dass die in der gesamten Präsentation nicht vorkommen sollen, und sie waren überall weg.

Eine Warnung dazu: Das Zurücknehmen hat eine Grenze. Kleine Änderungen holen Sie zurück. Wenn Sie aber Folien löschen lassen, das Konzept umbauen und zwei Prompts weiter merken, dass es vorher besser war, ist es weg. Lassen Sie sich vorher eine Sicherheitskopie anlegen, das genügt als Ansage, oder gehen Sie eine Sache nach der anderen durch.
Fotos kommen von Ihnen. Sie schieben ein Bild ins Chatfenster und sagen, wohin es soll und wie es zugeschnitten sein soll, rund, als Stern, als Halbkreis. Das Upload-Limit schwankt: Mal liegt die Grenze bei 5 Megabyte, mal bei 20. Größere Dateien weist Claude ab.
Was im Termin schiefging
Wir haben verlangt, unser Logo einzusetzen, ohne es je hochgeladen zu haben. Claude hat das gesagt und nichts erfunden. Also wurde es nachgereicht, und prompt lag die dunkle Variante auf dunklem Grund. Der Fehler saß vor dem Rechner.
Eine nachträglich eingefügte Pausenfolie sollte sich ein lustiges Bild aus dem Netz suchen. Das hat nicht geklappt.
Und die Gedankenstriche standen überhaupt erst in der Präsentation, obwohl sie im Designsystem ausdrücklich verboten sind.
Das ist der ehrliche Teil: Sie bekommen einen sehr guten Entwurf, keinen fertigen Druck. Die Kontrolle bleibt bei Ihnen, und sie ist der eigentliche Job.
Grenzen, kurz und vollständig
Keine Bildgenerierung. Ihre Logos und Fotos kennt Claude nicht, die müssen Sie geben. Kein verlässliches Zurücknehmen bei großen Schritten. Schwankende Upload-Grenzen. Die Bildsuche im Netz hat nicht funktioniert. Kein Werkzeug fürs Handy. Die deutsche Spracheingabe verwechselt „Cloud“ und „Claude“, was zu kuriosen Ergebnissen führt. Und die Anbindung an Canva, nach der oft gefragt wird, setzt auf Canva-Seite ein Enterprise-Abo voraus. Mit Canva Pro bleibt nur der Weg über den Export.
Die häufigste Frage in Schwerin war der Datenschutz. Dazu haben die Teilnehmenden einen eigenen Abschnitt in der Nachbereitung bekommen.
Wie Sie anfangen
Nicht mit dem großen Wurf. Nehmen Sie einen konkreten Fall, den Sie ohnehin auf dem Tisch haben, und bauen Sie das Designsystem daneben Stück für Stück aus.
Und sagen Sie ruhig, dass Sie sich nicht auskennen. Der Satz „Ich bin kein Design-Experte und habe Angst, etwas zu vergessen“ reicht als Einstieg. Sie werden dann durchgeführt. Dumme Fragen gibt es dabei keine, weder im Chat noch bei uns.
Wer lieber unter vier Augen fragt, vereinbart eine Technik-Sprechstunde mit Mirko Sperlich.
Wo Sie weitermachen können
Am schnellsten kommen Sie voran, wenn jemand daneben sitzt, während Sie es selbst probieren. Dafür gibt es bei uns drei Gelegenheiten in den nächsten Wochen. Alle kostenfrei, der InnovationPort ist ein ESF-Projekt und läuft bis 2028.
- Techniktag am 15. September, 9 bis 21 Uhr bei uns in Wismar. Bringen Sie Ihre Frage und Ihr eigenes Gerät mit, kommen Sie, wann es Ihnen passt. Das ist der richtige Ort, um Claude Design zum ersten Mal selbst zu öffnen.
- Regionale KI-Konferenz Wismar am 13. Oktober, 10 bis 16:30 Uhr. Der große Termin des Jahres, wenn Sie über das einzelne Werkzeug hinaus wissen wollen, was KI für Ihren Betrieb bedeutet.
- Digital. Direkt. am 10. November, wieder online in der Mittagspause. Diesmal Werbevideos ohne Kamera und ohne Filmteam, vom einzelnen Produktfoto zum fertigen Clip in einer Stunde.
Anmelden können Sie sich über die jeweilige Veranstaltungsseite. Wenn Sie nicht sicher sind, was zu Ihnen passt, fangen Sie mit dem Techniktag an.

